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Migräne und Spannungskopfschmerz Ergebnisse der Gerac-Studie

In einer Pressekonferenz und anschließendem Experten-Symposium wurden am 16. November die Studienergebnisse zu Migräne und Spannungskopfschmerz vorgestellt.

An dieser Stelle werden wir die wichtigsten Studienergebnisse, soweit sie in 5 kurzen Zusammenstellungen der Mitglieder des Leitungsgremiums der Gerac vorliegen, ins Netz stellen.

Zur besseren Übersicht werden wichtige Fakten und Einschätzungen kursiv oder fett herausgehoben und deutlicher geordnet.

„Im Rahmen der von den gesetzlichen Kassen gesponserten gerac-Kopfschmerzstudien wurden zwei klinische Studien durchgeführt, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Körperakupunktur mit Nadeln an chinesischen Punkten (Verum Akupunktur) und an neuen nicht chinesischen Punkten (Sham Akupunktur) im Vergleich zu einer medikamentösen Therapie bei Migräne- und Spannungskopfschmerzpatienten überprüft haben.“

Die Studien sind die größten und methodisch strengsten Akupunkturstudien, die zu Kopfschmerz in der westlichen Welt jemals durchgeführt worden sind.

„Sie liefern jetzt Daten von bisher nicht gekannter Qualität,“ so der Sprecher des Leitungsgremiums, Prof. Hans Joachim Trampisch von der Ruhr-Universität Bochum.

Ergebnisse Zusammenfassung

„Bei Spannungskopfschmerzen sanken die Kopfschmerztage von 16 auf 6 Tage mit der chinesischen Akupunktur und auf 8 Tage mit der Akupunktur an nicht chinesischen Punkten“, so Privatdozent Dr. Molsberger, Orthopäde und Akupunkturspezialist, der die Akupunktur im Leitungsgremium der gerac Studien vertritt.

„Der Standardtherapiearm bei Spannungskopfschmerz musste abgebrochen werden, da sich nicht genügend Patienten bereit erklärten sich mit Medikamenten (Anitdepressiva) behandeln zu lassen.Aus der Literatur ist aber bekannt, dass diese nur eine Senkung der Kopfschmerztage von 16 auf 11-15Tage erreichen.

Bei Migräne konnte die monatliche Anfallshäufigkeit mit der Verum Akupunktur um 2,3 Tage, mit der medikamentösen Therapie um 2,1 Tage und mit der Akupunktur an nicht chinesischen Punkten nur um 1,5 Tage gesenkt werden.

Der Therapieerfolg wurde von den Patienten mit einer Schulnote bewertet:

Der Therapieerfolg der Verumakupunktur wurde von den Patienten mit Spannungskopfschmerz mit der Schulnote 1-2 von 60 % und 52 % der Patienten bei Migräne bewerteten.

Bei nicht chinesischen Punkten sank der Wert für beide Gruppen auf 45-46 % der Patienten und in der Standardtherapie für Migräne bewerteten nur 34 % der Patienten den Therapieerfolg mit der Note 1-2.“

Bei beiden Kopfschmerzformen zeigte sich eine deutliche Reduktion der Anzahl der Tage mit Kopfschmerzen in den vier Wochen vor dem Sechs-Monats-Interview im Vergleich zum Behandlungsstart, vier Wochen vor Randomisierung.

Überraschenderweise zeigte sich bei Migräne keine Überlegenheit der kontinuierlichen, sechsmonatigen medikamentösen Prophylaxetherapie über die sechswöchige Akupunkturtherapie.

Bei beiden Kopfschmerzformen war auch keine eindeutige Überlegenheit der Verum-Akupunktur gegenüber der Sham-Akupunktur nachweisbar.

Allerdings konnte bei beiden Studien in Subgruppenanalysen eine größere Reduktion der Anzahl der Kopfschmerztage in der Verum-Akupunkturgruppe gegenüber der Sham-Akupunkturgruppe nachgewiesen werden.

Die Subgruppenanalysen lässt den Schluss zu, dass es neben einer unspezifischen Akupunkturkomponente, die bei beiden Akupunkturformen (Verum wie Sham) aufzufinden ist, eine spezifische Komponente gibt, die nur bei der Verum-Akupunktur auftritt.

 

Resümee von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener des deutschen „Kopfschmerz Papstes“

Die Akupunktur stellt beim chronischen Kopfschmerz eine effektive und risikoarme Ergänzung des therapeutischen Konzepts dar, was eine Anwendung der Akupunktur im Rahmen der schmerztherapeutischen Behandlung rechtfertigt.“

 

Weitere Ergebnisse noch etwas genauer

Spannungskopfschmerz

Kriterium für erfolgreiche Behandlung („Responder“): nach sechs Monaten eine Reduktion der Anzahl Kopfschmerztage von mehr als 50 % gegenüber dem Ausgangswert und keine unerlaubte Begleittherapie (medikamentös und nicht medikamentös) in Anspruch genommen.

Anzahl der Responder: Verum: 68 (33 %); Sham 53 (27 %)

Reduktion der Anzahl der Kopfschmerztage im Mittel

Verum vor Start der Akupunktur (Baselinephase) 15,6 Tage - unmittelbar nach Ende der zehn Akupunktursitzungen (sechs Wochen nach Studienstart) 6,21 Tage - und am Studienende (sechs Monate nach Studienstart) 6,03 Tage (Reduktion um 61,5 % )

Sham vor Start der Akupunktur (Baselinephase) 16,4 Tage - unmittelbar nach Ende der zehn Akupunktursitzungen (sechs Wochen nach Studienstart) 8,54 Tage - und am Studienende (sechs Monate nach Studienstart) 8,44 Tage (Reduktion um 49,5 % )

Einschätzung des Erfolgs der Akupunkturbehandlung

Schulnote 1 oder 2 am Studienende (6 Monate nach Studienstart) von 60 % aller Verumpatienten und von 46 % aller Shampatienten.

Schulnote 1, 2 oder 3 am Studienende (6 Monate nach Studienstart) von 81 % aller Verumpatienten und von 66 % aller Shampatienten.

Migräne

Kriterium für erfolgreiche Behandlung: Differenz der Zahl an Migränetagen innerhalb von vier Wochen zwischen der Baselinephase und nach sechs Monaten.

Mittlere Reduktion der Migränetage in der Verum-Gruppe 2,3 Tage, in der Sham-Gruppe
1,5 Tage, und in der medikamentösen Standardprophylaxe-Gruppe 2,1 Tage.

(Baseline, also Ausgangspunkt war hier bei Verum 5,8 Tage, Sham 5,7 Tage und Standard 6,0 Tage)

Einschätzung des Erfolgs der Akupunkturbehandlung

Schulnote 1 oder 2 am Studienende (sechs Monate nach Studienstart) von 52 % aller Verumpatienten, von 45 % aller Shampatienten, aber nur von 34 % aller medikamentösen Standardtherapiepatienten.

Schulnote 1, 2 oder 3 am Studienende (sechs Monate nach Studienstart) von 74 % aller Verumpatienten, von 69 % aller Shampatienten, und von 62 % aller medikamentösen Standardtherapiepatienten.

Kommentare des Herausgebers von Akupunktur-aktuell.de

An diesen Ergebnissen erkennen schulmedizinisch orientierte Schmerztherapeuten wie wirksam Akupunktur in ihrer Langzeitwirkung auch noch nach 6 Monaten sein kann und warum akupunktierte Patienten von dieser Methode so begeistert sind.

Bei Migräne ist eine sechswöchige Akupunkturtherapie mit 11 Sitzungen etwas wirksamer als eine kontinuierliche sechsmonatige medikamentösen Prophylaxetherapie.

Akupunktur ist in der klinischen Anwendungspraxis bei Rückenschmerzen doppelt so wirksam wie eine westliche Standardtherapie, bei Gonarthrose sogar dreimal so effektiv.

Dies ist das sensationelle Ergebnis der bisher vorliegenden Gerac-Ergegnisse.

Die randomisiert kontrollierten Studien sind der Goldstandard in der Pharmaforschung, in erster Linie der Wirksamkeitserkundung von neuen Medikamenten. Diese Methode der Wirksamkeitserforschung wurde auch vom gemeinsamen Bundesausschuss für die Akupunktur im Jahr 2000 vorgegeben.

Ein FDA-Gremium hatte bereits 1996 gefordert, Akupunktur mit konventioneller Medizin zu vergleichen und nicht gegen Sham-Akupunktur, die die FDA bereits damals problematisch fand.

Gerac hat die erste Forderung einer großen Studie sehr gut erfüllt, sich aber nicht an die zweite Empfehlung der FDA gehalten, was jetzt zu viel Verunsicherung führt. Den FDA-Experten war es 1996 deutlich gewesen, dass man Akupunktur genauso wenig vortäuschen kann wie Chirurgie, Psychotherapie oder Massage.

Jetzt erst wird es auch ganz deutlich, dass eine Sham-Akupunktur d. h. das Vortäuschen von Akupunktur in Form einer unspezifischer „Scheinakupunktur“ nicht möglich ist.

Pomeranz kritisierte bereits 1988 die Durchführung von Sham-Akupunktur, da sie nicht unspezifisch und auch nicht unwirksam sei und bei 33–50 % der Patienten hilfreich ist.
Da vorgetäuschte Akupunktur, also Sham-Akupunktur in der Wirksamkeit nicht nur unspezifisch ist, und folglich auch nicht einem Plazebo entspricht, muss das Studiendesign der RCT’s für komplexe Therapiemethoden wie Akupunktur oder auch für Physiotherapie sehr kritisch beurteilt werden, und dies gerade nach dem Vorliegen der Ergebnisse der großen deutschen Studien ART und Gerac. Und obwohl jetzt zunehmend von „Gerac-Akupunktur“ oder „Minimalakupunktur“ gesprochen wird, ist das beharrliche Anhaften an den Begriff Sham-Akupunktur noch immer sehr deutlich.

Die Ergebnisse der Gerac bei den 4 Diagnosen sind noch nicht publiziert und liegen deshalb nur bruchstückhaft vor. Zur genaueren Analyse warten wir gespannt auf die Publikationen.

Eine Diskussion der Ergebnisse von ART und Gerac wird jetzt trotzdem in der Akupunktur Community erfolgen. In unseren Akupunktur-Informationsdienst Akupunktur-aktuell.de haben wir dafür ein Forum dafür eingerichtet.

Bitte senden Sie uns Ihre Stellungnahmen unter der Email: akupunktur@arcor.de.

Auf den ersten Blick zeigen sich gute Ergebnisse der Akupunktur für Migräne und Spannungskopfschmerz, aber beim genaueren Betrachten wird deutlich, dass Akupunktur in der täglichen Praxis der Chinesischen Akupunktur deutlich bessere Ergebnisse hervorbringt.

Woran mag das liegen?

Erstens sicherlich, weil bei Migräne und Spannungskopfschmerz 10-11 Sitzungen nicht ausreichend sind. Mit 15-20 Sitzungen kann man deutlich mehr erreichen.

Zweitens hatten die Ärzte in der Gerac Studie eine Grundausbildung Akupunktur abgeschlossen, konnten also ihre Akupunktur nicht auf einer Chinesischen Diagnose aufbauen, die die Grundlage einer qualitativ hochwertigen Akupunktur darstellt.

Jetzt wird es zusätzlich notwendig werden, gute Studien, die westliche Akupunktur mit Chinesischer Akupunktur vergleicht, auf die Beine zu stellen. Dies ist die aktuelle Herausforderung an die Akupunktur Community.

Chinesische Akupunkturstellt die Vorstellung einer fließenden Lebenskraft Qi in den Mittelpunkt. Zunächst wird das Wesen der Störung der Lebenskräfte minuziös diagnostiziert, also eine chinesische Diagnose der Meridiane und der tiefen Ebene der inneren Organen gestellt. Mit dem Setzen der Nadeln und deren Stimulation fördert man das Lösen der Blockaden und aktiviert das Fließen der Lebensenergie.

Chinesische Akupunkturnach allen Regeln der Kunst ist nach Expertenmeinung mit 60-80 % klinischer Wirksamkeit noch deutlich besser wirksam als die in der Gerac-Studie getesteten westlichen Akupunkturformen.



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